Knie Zentrum Professor Toft

Detaillierte Informationen zur Behandlung von Kreuzbandrissen

Vorderer Kreuzbandriß

In akuten und subakuten Fällen, d.h. wenn der Unfall selbst noch nicht allzu lange zurückliegt, besteht die Besonderheit unserer Behandlung darin, daß "alte" vordere Kreuzband innerlich mit einer neuen Struktur zu verstärken und damit Verhältnisse wiederherzustellen, die den Originalverhältnissen äußerst nahekommen. Diese Technik, die kaum andernorts angeboten wird, hat dabei folgende Vorteile:

1.) Das "eigene" vordere Kreuzband kann mit seinen sogenannten Propriozeptoren, d.h. Nervenrezeptoren, die für die Feinabstimmung der Bewegung und des Muskeleinsatzes sehr wichtig sind, weitgehend erhalten werden, was natürlich bei einer vorderen Kreuzbandoperation mit der sog. Patellarsehne nicht möglich wäre. 2.) Das verpflanzte Sehnenmaterial (Semitendinosussehne vierfach) ist von Anfang an ummantelt, was ideale Einwachsbedingungen für das verpflanzte Material schafft.

Diese spezielle Technik, die man "innere Verstärkungsoperation" nennen könnte, beinhaltet ein Minimum an Chirurgie und damit auch ein Minimum an Gelenkschädigung. Leider ist diese spezielle Technik für chronische Instabilitäten, die zum Teil schon Jahre zurückliegen, nicht geeignet, da in diesen Fällen das "alte" vordere Kreuzband meistens nicht mehr vorhanden ist.

Aber selbst in chronischen Fällen ist es in den meisten Situationen nicht notwendig, die Kniescheibensehne als Ersatzmaterial zu verwenden. Lediglich bei jungen Leistungssportlern wird diese Technik bevorzugt verwandt, wobei wir in den letzten Jahren jetzt fast ausschließlich Spendersehnen (Allografts) verwenden, mit denen wir selbst bei Profisportlern die besten Erfahrungen gemacht haben.  Für den Freizeitathleten, vor allem wenn es sich um Personen mittleren Alters handelt, stellt die Semitendinosusvierfachtechnik nach wie vor ein bewährtes  Verfahren dar. Dies gilt ganz besonders dann, wenn bereits gewisse arthrotische Veränderungen im Gelenk vorliegen.

Die ausgesprochene Steife der Kniescheibensehne, die übrigens nur halb so elastisch ist wie das natürliche vordere Kreuzband, läßt dieses Material für arthrotische Kniegelenke ungeeignet erscheinen. Derartige Patienten benötigen eine deutlich elastischere Struktur wie z.B. die Semitendinosussehne.

Wie neuere Forschungen belegen, muß man sich auch von zwei weitverbreiteten Mythen verabschieden, die Patienten immer wieder vermittelt werden:

1.) Es gibt überhaupt keinen Grund, an einer Altersgrenze von 40 Jahren für den vorderen Kreuzbandersatz festzuhalten. Es konnte zwischenzeitlich in einigen Zentren Amerikas und auch Europas gezeigt werden, daß dieses Konzept keine Gültigkeit mehr besitzt und daß der vordere Kreuzbandersatz auch im höheren Lebensalter eine höchst segensreiche Operation darstellt.
2.) Ebenso muß man sich auch von dem Konzept verabschieden, daß arthrotische Gelenke nicht mehr mit einem vorderen Kreuzband versorgt werden sollen. Selbst bei Verwendung der Patellarsehne, die, wie bereits ausgeführt, sicher nicht das ideale Ersatzmaterial für das Arthrose-Knie darstellt, konnte in einem Kniezentrum in Cincinnatti, Ohio, USA gezeigt werden, daß auch die so versorgten Patienten eine wesentlich bessere Leistungsfähigkeit und damit auch Zufriedenheit erreichten. Wenn dies sogar für die Patellarsehne gilt, so ist dies in ganz besonderem Maße für die Semitendinosustechnik anzunehmen, was wir an unserem eigenen Patientengut von über 3.500 Kreuzbandoperationen ebenfalls nachweisen konnten.

Hinterer Kreuzbandriß

Im Gegensatz zum Riss des vorderen Kreuzbandes sind Risse des hinteren Kreuzbandes eher selten und entstehen meist durch direkt auf das Knie von vorn einwirkende Kräfte wie bei Autounfällen durch Aufprall auf das Armaturenbrett (dash-bord injuries). Kurz- und mittelfristig können hintere Kreuzbandrisse relativ gut kompensiert werden und längst nicht jeder hintere Kreuzbandriss befarf der operativen Behandlung. Langfristig belastet der Verlust des hinteren Kreuzbandes allerdings die Kniescheibe, weshalb man sich gerade bei jüngeren Patienten oft doch zum Bandersatz entscheidet. Durch die Benutzung der vierfach genommenen Semitendinosus-Sehne in arthroskopischer Technik ist der Eingriff jetzt sehr klein und schonend geworden. Wie beim vorderen Kreuzbandersatz genügt auch hier eine Entlastungszeit von ca. 2 Wochen. Der Eingriff selbst ist technisch sehr anspruchsvoll und sollte nur vom wirklich Geübten durchgeführt werden. Die Grafik demonstriert das Prinzip des Eingriffs.

Seitenbänder

Sofern es sich um einen sogenannten Innenbandriß handelt, so ist man in den letzten Jahren dazu übergegangen, derartige Verletzungen konservativ, d.h. nicht operativ, zu behandeln. Man verwendet hierzu eine sogenannte Funktionsschiene, die das Band zwar schützt, die Gelenkbeweglichkeit aber dennoch zuläßt. Hierdurch richten sich die Kollagenfasern in dem verletzten Band wesentlich besser aus als durch eine Ruhigstellung oder auch durch eine offene Operation. In nur ganz wenigen Fällen, vor allem wenn das Innenband in das Gelenk "eingeschlagen" ist, muß offen operiert werden.

Was das Außenband betrifft, so liegen hier die Verhältnisse etwas anders. Dieses Band hat einen runden bis ovalen Querschnitt und hat nach einem Riß die Tendenz, sich zu verkürzen und zurückzuziehen. Da dieses Band nicht so eng von Gewebe umschlossen ist wie das Innenband, ist auch die Narbenbildung hier deutlich schlechter und bei nicht operativer Versorgung resultiert oft eine unangenehme Bandlockerung und Instabilität, die dann oft im Nachhinein noch korrigiert werden muß. Aus diesem Grunde werden Außenbandverletzungen bzw. auch Verletzungen des Kapselapparates an der Knieaußenseite häufiger operativ behandelt. Insgesamt jedoch ist die Tendenz zur offenen Kapsel-Band-Rekonstruktion in den letzten Jahren deutlich rückläufig. Die großen "abpellenden" Operationen mit Rekonstruktion der Bandstrukturen an "allen Ecken und Kanten" wird heute kaum mehr geübt. Nur noch nach schweren Verkehrsunfällen mit praktisch vollständiger Zerstörung aller Kapsel-Band-Strukturen muß man noch auf derartige Verfahren zurückgreifen. Durch den unkritischen Einsatz der offenen Bandrekonstruktion wurden in der Vergangenheit viele heute zu beobachtende Arthrosen und Gelenksteifen "produziert".


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