Kalkschulter (Tendinosis calcarea)
Diese Erkrankung trifft am häufigsten Patienten im mittleren Lebensalter (> 40 Jahre), wobei durchaus alle Altersstufen betroffen sein können. Frauen sind in der Regel häufiger betroffen. Aus weitgehend ungeklärter Ursache (evtl. Minderdurchblutung der Sehnenansätze) zeigen sich im Ansatzbereich der Rotatorenmanschette (am häufigsten der Supraspinatussehne) Kalkablagerungen.
Kleine, regional begrenzte Verkalkungen in Sehnenansätzen der Rotatorenmanschette finden wir im Rahmen von Röntgenuntersuchungen und unserer stets beidseitig und damit vergleichenden sonographischen Untersuchung sehr häufig als reinen Zufallsbefund. Ein kleines Kalkdepot muss nicht zwangsläufig mit einem Schmerzphänomen assoziiert sein.
Allerdings können diese Kalkdepots durchaus zu entzündlichen Veränderungen in dem sie umgebenden Sehnenareal Anlass geben. Bereits diese lokale Entzündung führt zu klassischen und gut lokalisierbaren Schmerzen. Handelt es sich um ein sehr großes Kalkdepot oder um Depots in mehreren Sehnengruppen, so erfolgt bereits durch das sehr große Verdrängungsvolumen der Kalkablagerung in der Sehne ein erheblicher Dehnungsschmerz. Eine deutliche Schmerzverstärkung tritt dann ein, wenn auch der zwischen Schulterdach und Rotatorenmanschette befindliche Schleimbeutel sich entzündet und bei chronifizierten, d.h. häufig langwierigen wellenförmigen Beschwerden verklebt. Im Laufe der Erkrankung kommt es zu schubweisen wellenförmigen und hochakuten Schmerzattacken, welche durch die spontanen Auflösungsversuche des Kalkdepots bedingt sind. Dramatisiert wird die Problematik dann, wenn begleitend ein mechanisches Engpassproblem (mechanisches Impingement) vorliegt, sodass der entzündlich aufgequollene Schleimbeutel und die volumenvergrößerte Sehnenstruktur keine Ausweichmöglichkeit besitzen. Im hochakuten Stadium können ggf. entzündungshemmende Injektionen in den Subacromialraum hilfreich sein. In vielen Fällen ist jedoch ein minimal-invasiver arthroskopischer Eingriff notwendig, um die häufig langjährige Schmerzproblematik dauerhaft zu beenden. Eine extrakorporale Stoßwellenbehandlung (ESWT) wird sehr häufig erfolglos bleiben. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn durch einen chronifizierten Verlauf der entzündlich veränderte Schleimbeutel verklebt ist. Eine ESWT kann zwar zu einer Zertrümmerung eines soliden und großen Kalkdepots führen, einen entzündlich verklebten Schleimbeutel, welcher vorzugsweise für den Schmerz verantwortlich ist, kann sie allerdings nicht lösen.
Des Weiteren sind begleitende mechanische Engpasssituationen naturgemäß nicht durch eine ESWT korrigierbar.
Korrekt angewendet kann die ESWT segensreich sein. Häufig wird sie jedoch aufgrund der erwähnten negativprognostischen Faktoren missbraucht. Eine arthroskopische Entfernung des Kalkdepots ist meist problemlos möglich.
Das Kalkdepot ist nicht selten sichtbar. Ansonsten kann es durch Punktion mit einer dünnen Kanüle elegant lokalisiert werden. Der hoch entzündete Schleimbeutel wird entfernt, seine Verklebungen werden gelöst. Es bildet sich sehr schnell ein gesundes Schleimbeutelregenerat. Das Kalkdepot kann eröffnet und entfernt werden. Ein ggf. eingeengter Subacromialraum wird zudem präzise erweitert. Der Eingriff kann ebenfalls kurzstationär erfolgen.























