Schultersteife
Einsteifungen der Schulter können durch unterschiedlichste schmerzinduzierende Krankheitsbilder verursacht sein. Die hierdurch bedingte Einsteifung bezeichnet man als sekundäre Frozen Shoulder. In den häufigsten Fällen entsteht die Schultersteife jedoch als selbstständiges Krankheitsbild (primäre Frozen Shoulder). Als Ursache werden endogene Faktoren, wie hormonelle Veränderungen (Menopause) oder andere hormonelle Erkrankungen (Diabetes, Schilddrüse), diskutiert. Die Erkrankung verläuft in unterschiedlichen Stadien, welche durch verschiedenste Symptome gekennzeichnet sind. Die „Einfrierungsphase“ beginnt meist mit plötzlichen und heftigsten Schmerzen, insbesondere nächtlich sowie in Ruhe. Es setzt eine sukzessive, manchmal auch sehr spontane und regelrecht über Nacht bemerkbare Bewegungseinschränkung ein. Nach einigen Wochen bis Monaten folgt die „Plateauphase“, welche zu keiner weiteren Funktionslimitierung führt. Die Schmerzen lassen ganz allmählich nach. In der „Auftauphase“, dem 3. Stadium, liegen so gut wie keine Schmerzen mehr vor. Die Schulter gewinnt zunehmend an Funktion. Unter prognostischen Aspekten besteht das Hauptproblem in der nicht kalkulierbaren Krankheitsdauer. Generell wird eine Krankheitsdauer von etwa 1–2 Jahren kalkuliert. Es liegen allerdings wesentlich längere Einzelverläufe mit über 10 Jahren vor. Insofern kann sicherlich nicht bedingungslos an die Geduld des Patienten appelliert werden. Eine differenzierte Behandlung sollte in Abhängigkeit vom Ausmaß der Lebensqualitätsminderung eingeleitet werden. Eine differenzierte Behandlung – sei sie konservativ oder minimalinvasiv unterstützt – lässt sich sehr spezifiziert und mit einer kalkulierbaren Prognose planen.
Sinnvoll ist die sofortige Einleitung muskelentspannender Maßnahmen. Die Durchführung einer ansonsten sinnvollen und kompetenten manuellen Therapie wird in der 1. Phase nur zur Frustration von Patient und Physiotherapeut führen. Während der primären Einfrierungsphase besteht weder physiotherapeutisch noch minimal-invasiv jegliche Chance, das Krankheitsbild bzw. den Schrumpfungsprozess zu stoppen. Hier ist vor allem eine kompetente analgetische Behandlung sinnvoll, wobei Medikamente der neuesten Generation die häufig dramatische Symptomatik verbessern, jedoch nicht komplett eliminieren können. Eine spezifische Behandlung, sei sie konservativ oder minimal-invasiv, sollte erst in der Plateauphase eingeleitet werden. Erst hier kann und wird eine kompetente Behandlung erfolgreich sein. Unter differenzialtherapeutischen Aspekten kann frühzeitig die Chance für rein konservative Maßnahmen abgeschätzt werden. Die Durchführung von konventionell radiologischen Spezialaufnahmen gewährt uns eine eindeutige Prognose. Sollte ein begleitendes mechanisches Engpasssyndrom mäßigen bis größeren Ausmaßes vorliegen, so empfiehlt sich frühzeitig die Durchführung einer arthroskopischen Therapie, wobei einerseits der den Teufelskreis unterhaltende Engpass beseitigt werden muss. Andererseits erfolgt eine Lösung der völlig verklebten Schleimbeutelgleitschicht inklusive einer mikrochirurgischen Erweiterung und Ablösung der Gelenkkapsel, vergleichbar mit dem Öffnen eines Reißverschlusses. Durch einen derartig atraumatischen und minimal-invasiven Eingriff gelingt es uns, bereits in Narkose ohne jegliche Manipulation eine völlig freie Beweglichkeit zu erzielen. Dieses Maß an Bewegungsfreiheit nach der Operation, d. h. nach Beenden der muskelentspannenden Narkose, kann jedoch nicht aufrechterhalten werden.
Zustand nach Kapselrelease
Entzündliche Schrumpfung u. Verklebung von Gelenkkapsel (rot) und Bursa (grau)























